
Eine Reisereportage über Istanbul für GEO.
Kontaktbogen und Vintages
Die Sonne ist westwärts vergangen. "Wir sind am Horizont des unverrückbaren Abends", heißt das osmanische Trinklied. Im Lokal "Hayyam", in rotes, gelbes, blaues Neonlicht getaucht, singen alle mit. Plötzlich schnappen sich die Frauen - keine ist unter 50 - Männer und beginnen zu tanzen. Doch was? Ist es Walzer? Tango? Auf jeden Fall sind es menschliche Körper in erotischer Bewegung. Eine Frau schiebt sich die Hälfte einer Banane in den Mund und fordert ihr gehorsames gegenüber auf, es ihr gleichzutun.
Sie tanzen, rufen, lachen, und mittendrin beginnt die Frau mit dem blond gefärbten Haar, ihre Lebensgeschichte zu erzählen. Eine große Ballettänzerin sei sie gewesen. Doch dann habe sie, in einer edlen amerikanischen Limousine unterwegs, einen Unfall gehabt und sich das Bein gebrochen. Ihr Großvater, ein Abchase aus dem Kaukasus, sei einst zu lebenslänglich in Sibirien verurteilt worden. Er sei aber ausgebrochen, habe eine Russin entführt, sie geheiratet und sei über das schwarze Meer nach Trabzon geflohen. Der große Atatürk, Allah habe ihn selig, habe dem Flüchtling schließlich eine Haselnuß-Plantage vermacht. Ebru Cilim sei ihr Name, sagt sie, übersetzt: "Mein rotgeflammtes Leiden"...
GEOspecial Türkei Text: Ömer Erzeren








