Portrait Franz van der Grinten

Portraitserie VIII

Morgue – Anblick eines Lebenden

2001

Franz van der Grinten hatte ich während meiner Arbeit zu »Macht und Ritual« kennengelernt. Auf einer nächtlichen Zugreise hatten wir zwei Jahre zuvor ein intensives Gespräch über den Tod, Sterbende und seine Arbeit in der Pathologie, die früher zu seiner künstlerischen Ausbildung gehört hatte. Wir hatten ähnliche Erfahrungen gemacht, und es entstand die Idee eines gemeinsamen künstlerischen Projektes, in dem es um eine Auseinandersetzung mit dem Tod gehen sollte.

Am Anfang stand ein Gedankenexperiment: Wenn es so etwas wie eine Wiedergeburt der Seele geben sollte, wie ließe sich dann ein möglicher Zustand im Angesicht des Todes vorstellen? Wie kann ein Lebender den Tod denken? Wie kann ein Lebender den Zustand des Todes durch eine Emotion sichtbar machen?

EN

Der vorgestellte Ort: Die Pathologie. Er wird den Raum betreten. Sein Eintreten wird die Bedeutung des Raumes verändern. Die Nackten dort sind immer tot. Nun durchbricht ein Lebender mit seiner Nacktheit die Gewohnheit des Raumes. Emotionen werden diesen Raum füllen. Wird er den Raum für sich gewinnen können? Oder wird der Raum ihn vereinnahmen, ihn nicht mehr verlassen? Es ist eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod. Ein Tod, der sicher ist und in unserer Gesellschaft selten sichtbar.

Vintage Gelatinesilberabzüge 24 × 30 cm, sig./unikat, 2001
Lambda-Prints 70 × 100 cm, sig./unikat, 2001

Portrait Franz van der Grinten – In-Sich Franz van der Grinten – Flucht Morgue Franz van der Grinten – Ikonographie Morgue Franz van der Grinten – gebeugt Morgue Franz van der Grinten – Starr