Zyklus
Macht und Ritual
In den fünf Serien aus den Jahren 1986 bis 2025 entwickelte sich aus unterschiedlichen fotografischen Arbeiten eine Beschäftigung mit den äußeren Erscheinungsformen von Macht und jenen Strukturen, in denen ritualisierte Verhaltensweisen und Konstellationen der Beteiligten in ihren Beziehungen und Begegnungen sichtbar werden.

In den Serien ist nicht nur eine vergangene Wirklichkeit politischer wie auch gesellschaftlicher Ereignisse in Lichtspuren festgehalten, sondern ebenso die subjektive Wahrnehmung des Dokumentaristen bei seiner damaligen Begegnung mit dieser Wirklichkeit.
Fotografien werden Teil einer medialen Wirklichkeit, in der Machtstrukturen nicht nur durch Diskurse geformt, sondern auch durch das existentielle Bedürfnis nach »Glauben« immer wieder rituell in ihrem Zusammenhalt gefestigt werden.
- Das Kölner Heil
Rituale einer katholischen Welt, die noch von Verdienst und Gnade, von Leid und Hoffnung, von Sünde und Erlösung geprägt ist. - Wahl Kampf Ritual
Die Inszenierungen demokratischer Wahlkämpfe zur Findung des wahren Kanzlers. Die Fotografien entstanden bei elf Bundestagswahlen von 1986 bis 2025. - Die Gipfel der Weltwirtschaft
Zu einer Zeit, als die Weltwirtschaft in ihrem Drang nach Globalisierung auf ihren Höhepunkt zulief. - Ist die Erde eine Mattscheibe?
Rituale aus einer analogen Fernsehwelt, die noch weitgehend unangefochten Meinung führte. - Nacht im Milieu
Die zauberhafte Welt des Eros, gefangen im Kölner Nachtleben, scheint den Ursprung aller Rituale der Macht zu offenbaren.
Über die Zyklen
Im Mittelpunkt meiner Fotografie steht der Mensch. Aus unterschiedlichen Richtungen nähere ich mich einer sich beständig verändernden »Umgebung« an: einem Spannungsfeld aus Wirklichkeit, Wahrnehmung und dem fotografischen Bild. So entstanden über die Jahre aus einem Wechselspiel von Auftragsarbeiten sowie Buch- und Ausstellungsprojekten Zyklen und Serien über Macht und Rituale, Bewegung und Stille, Nähe und Distanz, Wirklichkeit und ihre Erscheinungen.

Gemeinsam ist ihnen der Versuch, immer wieder Antworten auf Fragen nach dem Wirklichkeitsbezug der Fotografie, der subjektiven Wahrnehmung, der fotografischen Spur und ihrer Macht in einer medial geprägten Welt zu finden. Ob das gelungen ist, ist eine andere Sache.
»Zu sagen, die klassische, die analoge Photographie registriere die Oberfläche einer sichtbaren Welt mit staunenswerter Präzision, ist physikalisch sicher richtig. Markiert aber wohl kaum die Grenzen einer Kamerakunst, deren Anspruch darin besteht, sozusagen ›hinter die Kulissen‹ zu blicken. Genau dies ist das Anliegen des Kölner Photographen Bernd Arnold, der sich besonders jener Bereiche annimmt, wo das bewusste Schauspiel, das dezidierte Auffahren einer Maske gewissermaßen zur ›Conditio sine qua non‹ gehört. Galt sein anfängliches Interesse den Riten und Ritualen der katholischen Kirche, so hat Arnold seinen Radius zurück auf die Bereiche Politik und Medien erweitert und in Gestalt einer ebenso intelligenten wie atmosphärisch dichten Schwarzweißphotographie gezeigt, wie kritischer Dokumentarismus heute aussehen könnte.«
Hans-Michael Koetzle über Macht und Ritual im Rahmen der Ausstellung 24x36, Photokina 2004
Black East Wild West
Im Fluss der Bewegungen schwanken dunkle Massen, skurrile Situationen, schemenhafte Portraits und fragwürdige Details zwischen dem Realen und dem Mimetischen.
Die Szenerien der Fotografien finden sich an Schnittstellen vom Weltlichen zum Sakralen, entlang heutiger Portale, die zur Erlösung einladen, und an Orten mimetischen Begehrens, des Schwundes und des Wachstums.
Im Zusammenwirken menschlicher Heilsuchen, losgelöst vom metaphysischen Grund, und überhitzender Beschleunigungen verändern sich die Atmosphären bewegter Menschen, sich bewegender Massen und Orte ereignisloser Zustände beständig.
Die Fotografien der sechs Serien entstanden in den Jahren 2005 bis 2019.
- Das Portal
Die Schnittstelle vom Weltlichen zum Sakralen - Die Zone
Ein geschlossenes Kleinod menschlicher Kultur - Mimesis
Trügerisches Spiel - Black East
Szenerien des Verfalls - Wild West I
Szenerien des Verlassens - Wild West II
Schwund und Wachstum
Unbedeutende Persönlichkeiten
Portraits und Portraitserien
Die Portraits und Portraitserien entstanden seit 1985 aus persönlichen Interessen, zufälligen Begegnungen und unterschiedlichen äußeren Anforderungen. Ihre Ordnung folgt nicht der gesellschaftlichen Bedeutung der Portraitierten, sondern den jeweiligen Entstehungszusammenhängen der Fotografien. Ihre Spannung liegt im Wechselspiel portraitierter Bekannter und bekannter Persönlichkeiten, von Nähe und Distanz.
Über die Jahre entstanden Portraitserien, in denen sich zugleich unterschiedliche Arbeitsweisen und Veränderungen der Fotografie wiederfinden. Trotz der unterschiedlichen Anforderungen, der äußeren, der technologischen wie auch der inneren, wird dennoch eine Linie sichtbar, die sich aus der Begegnung zweier Menschen herausbildet. Es ist immer wieder der von neuem gemachte Versuch, jenen Moment einer Begegnung so festzuhalten, dass er als eine vergangene Wirklichkeit noch atmosphärisch spürbar bleibt und somit die Fotografien miteinander verbindet. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr tritt die Bedeutung der portraitierten Person zurück und die Atmosphäre jenes Augenblicks hervor.
Portraitserie XIII – Das Kunsthaus
Portraitserie XI - Editorial 2010-2020
Michel Friedmann, Domian, Leo Fischer, Thomas D, Barry Eichengreen, Kenneth Rogoff, Jan Böhmermann, Jörg Thadeusz, Contantin Schreiber, Tedros Teclebrhan, Renate Gruber u.v.a.
Portraitserie VIII
Zorn – Morgue – Liebe kann eine Landschaft verändern
Portraitserie VII - Editorial 1996-2009
Luigi Colani, Benedikt Taschen, Frank Wingold, Peter Bernstein, Joachim Schoenecker, Moby, Navid Kermani, Alfred Neven DuMont, Ursula Strauss, Alice Schwarzer, Peter Schiergen u.v.a.
Portraitserie V – Film und Fernsehen
Portraitserie IV - Editorial 1986-1996
Peter Ludwig, Norbert Burger, Walter Adler, Peter Sloterdijk, Lina Wertmüller, Richard Rogler, Hans-Jürgen Wischnewski, Marcel Reich-Ranicki, Mercedes Sosa, Isa Vermehren u.v.a.
Dunkle Städte – Helle Stätten
Die Fotoserien entstanden im Laufe der Jahre auf verschiedenen Reisen innerhalb der Heimatstadt Kölns, dem Verlauf des nahen Rheins, den fernen Städten und Stätten.
Das Finden pendelt zwischen Außen und Innen, den Tagen und Nächten und folgt den Blicken der Menschen.
Tokio | Istanbul Beyoglu | Julia, Verona, Italia | Veneto | Norditalien | Atlanta | Prag im Winter | Kölner Ringe | Die Eifel | Warum ist es am Rhein so schön? | Köln und Rheinauhafen | Budapester Kaffeehäuser und Straßenszenen | Budapester Bäder | Berlin 1994
Stille
Die Fotoserien bewegen sich auf den gegenläufigen Pfaden der Suche nach Bewegung und Begegnung.

So wie in der Musik im Zeitraum zwischen dem verklingenden und dem neu entstehenden Ton eine größtmögliche Stille entsteht, so entstanden die Serien zwischen vergangener und neuer Begegnung und erkunden auf dem Weg die Erträglichkeit der Stille.
Tenno Megumi – Wald | Die Zeit der großen Stille | Die Entdeckung der Stille | Cowal Highland | Padua | Stilles Heim – Kölnische Lichtspiele | Hambacher Forst | Melatenfriedhof Köln
Digitalis und Dichografien
Seit 1983 begleitet der Zyklus »Digitalis und Dichografien« immer wieder meine fotografische Arbeit. In verschiedenen Serien und Experimenten spüre ich beiläufig den Veränderungen des fotografischen Bildes von analogen Fotomontagen über digitale Alterationen und Fotomontagen bis zu den 2023 entstandenen Dichografien nach.
Dabei geht es immer wieder um die Frage, wie sich mit den technischen Möglichkeiten der Bildveränderung auch unser Verhältnis zu Wirklichkeit, Wahrnehmung und Fotografie verändert.
Analoge Fotomontagen
Mehrfachbelichtungen, Collagen und Montagen gehören seit den Anfängen der Fotografie zu ihren Möglichkeiten. Dennoch bleibt dabei der fotografische Ursprung ihrer einzelnen Elemente erhalten, auch wenn die im Bild erscheinende Situation in dieser Form nie stattgefunden hat. Mit der Studienarbeit Lady Di und der Neue Fotograf stellte sich mir 1988 erstmals die Frage, was mit der Fotografie geschieht, wenn ihre Bilder digital gespeichert, verändert und neu zusammengesetzt werden können.
No. 13 – Selbstportrait 1983 | Portrait 1985 | Selbstportrait Montage 1985 | Zeitgeist 1985 | Elefantenrunde 1987 | Superlearning 1988
Digitale Alterationen
Erst mit der Digitalisierung ließen sich Fotografien als speicherbare und berechenbare Datenbilder in einer bis dahin unbekannten Weise verändern, ohne dass die Eingriffe im fertigen Bild noch sichtbar sein mussten.
In verschiedenen Arbeiten veränderte ich vorhandene digitalisierte Fotografien und digitale Fotografien, ohne vorhandene Lichtspuren auszutauschen, herauszunehmen oder hinzuzufügen. Nicht um die Authentizität der Fotografie zu widerlegen, sondern der Frage nachzugehen, was von ihrem Wirklichkeitsbezug erhalten bleibt, wenn eine Fotografie nachträglich so weit verändert wird, dass sie in ihrer ursprünglichen Erscheinung kaum noch wiederzuerkennen ist.
Kreuzweg Weltjugendtag 2005 | Digigramm 2007/2018 | Künstliche Kunst 2009 | Die wahre Wolke 2017 | Künstliches Schwarz und Weiß 2018 | Analoge Artefakte 2019 | Raumforderung oder was ist Faschismus 2022
Digitale Fotomontagen
Mit den digitalen Möglichkeiten ließen sich schließlich unterschiedliche Elemente aus unterschiedlichen Fotografien nahezu spurlos miteinander verschmelzen. So entstanden Szenerien, die fotografisch erscheinen, deren sichtbare Wirklichkeit jedoch aus verschiedenen fotografischen Begegnungen zusammengesetzt ist.
Diese Arbeiten bewegen sich an einer Grenze: Ihre Bestandteile gehen noch auf fotografische Aufzeichnungen zurück, die im Bild erscheinende Situation hat als Ganzes jedoch so nicht stattgefunden. Mit den Arbeiten von 2019 und 2021 entstanden auf diese Weise noch manuell zusammengesetzte Imitationen von Fotografien.
Netzwerk 1992 | Wie aus dem Gesicht geschnitten 1996 | Liebesgeschichte (letzte Kapitel) 2001 | Morguemorph 2002 | Maiwald 2012 | Das Anatom 2018 | Europawahl 2019 | So habe ich es gesehen 2021
Dichografien
Mit den KI-Generatoren lassen sich nun Bilder erzeugen, die wie Fotografien erscheinen, ohne dass die fotografische Begegnung, die sie suggerieren, überhaupt stattgefunden hat.
Für eben jene Bilder, die wie Fotografien erscheinen, ohne aus einem fotografischen Vorgang hervorgegangen zu sein, verwende ich den Begriff »Dichografie«. Er bezeichnet keine bestimmte Technik und kein bestimmtes Werkzeug. Ein dichografisches Bild kann vollständig synthetisch erzeugt sein oder fotografische Elemente mit synthetisch erzeugten Bildanteilen verbinden.

