Die Entdeckung der Stille
2013–2019
Will man die größtmöglich vorhandene Stille im Lande erkunden, muss man sich direkt in die Mitte Deutschlands begeben. Ungefähr dorthin, wo sich die Verbindungslinien des nördlichsten und südlichsten Punktes Deutschlands und des östlichsten und westlichsten Punktes kreuzen.
An einem Waldrand oberhalb eines Dorfes schlängelte sich vor rund 100 Jahren ein kleiner Bach durch eine wilde Wiese und vorbei an einer mächtigen alten Eiche. Rechts und links grasten Kühe. Gern setzte sich der eine oder andere Dorfbewohner unter die alte Eiche, um allein zu sein und seinen Gedanken nachzuhängen. Man nannte diesen Ort die »Heilige Stille«.
Inzwischen gibt es Häuser, Nachbarn, Kinder und gelegentlich Autos. Aber immer noch breitet die Eiche ihre ausladenden Äste aus. Darunter liegt nun ein Garten, der zu einer näheren Betrachtung anregt. Lauscht man den Momenten der Stille und beobachtet das Leben in diesem Mikrokosmos, so lassen mehr und mehr Objekte ihre Maske fallen. Sie entpuppen sich als kleine Kunstwerke, die sich für eine kurze Weile in der alltäglichen Gartenlandschaft schweigsam entfalten…
Archival Pigment Prints, sig., stemp, num., 2019.
Edition Künstlerzeitung – Die Entdeckung der Stille, 20 Seiten mit 19 Fotografien, Text von Astrid Windfuhr.
Zeitungsdruck, 38 x 29 cm, Deutsch/Englisch, Auflage 50, sig., num., 2019.



Ausstellung
St. Peter in Oldenburg
In einem Gemeinschaftsprojekt des Kulturbüros der Stadt Oldenburg mit dem Forum St. Peter wurde die Bildserie »Die Entdeckung der Stille« an der Außenfassade der Kirche als großformatige Fotodrucke im Rahmen der »Woche der Stille« von Juni bis Herbst 2022 ausgestellt.
Die Serie entstand 2013–2019 aus der Beobachtung einer immer stärker werdenden Verdichtung des urbanen Lebens. Mit der Publikation der Serie 2019 konnte man nicht ahnen, dass wenige Monate später der Corona-Lockdown die Gesellschaft zum Stillstand brachte, die Stadt in Stille hüllte, die zunehmende Verdichtung menschlichen Treibens vorübergehend auflöste und der Natur in gewisser Weise eine Erholungsphase vergönnt war.
Ausstellungsdauer: Juni bis Herbst 2022 an der Außenfassade der Forumskirche St. Peter, Oldenburg.
Bernd Hubl (Kulturbüro Oldenburg) bemerkte in seiner Eröffnungsrede zur Ausstellung:
»Betrachtet man die Natur in Ruhe, in Kontemplation, stellt sich lt. des großen Philosophen des 18. Jahrhunderts, Jean-Jacques Rousseau, gar ein Naturzustand des Menschen hierbei ein. […] Ja, Bernd Arnold hat Fotos von und in der Natur gemacht. Und Bernd Arnold lädt uns ein, zur Ruhe zu kommen, die Stille in seinen Bildern zu genießen. Jedoch, und das wird bei den schwarz-weiß abstrahierten Arbeiten deutlich, spielen sie mit unserer Vorstellung von Natur, oder, wenn man so will, wachsen Bernd Arnolds Pflanzen auf doppeltem Boden. Bernd Arnold tut dieses jedoch nicht, um uns an der Nase herumzuführen. Gerade mit diesen Abstraktionen lädt Bernd Arnold uns ein, unseren Blick auf Natur zu hinterfragen. Möglicherweise ist sie, die Natur, eine Phantasie von kapitalismus-gestressten Städtern. Vielleicht ist Natur nur eine von der Kunst produzierte Welt, ein im wahrsten Sinne künstliches Produkt. Es existieren Bäume, Sträucher, Seen und Tiere. Ziemlich sicher. Aber sind sie damit automatisch schon ›Die Natur‹? […]«
