Macht und Ritual
Das Kölner Heil
Fotografien von 1986 bis 1996
Macht und Rituale
der katholischen Kirche im Erzbistum Köln

Die hermetische und hierarchische Welt des Kölner Domklerus ist von Verdienst und Gnade, von Leid und Hoffnung, von Sünde und Erlösung gezeichnet. In den Ritualen, Gesten und Begegnungen werden jene Beziehungen sichtbar, in denen sich religiöse Ordnung und kirchliche Macht immer wieder herstellen und bestätigen.
Die Fotografien entstanden zwischen 1986 und 1996 in einer katholischen Welt, die nach außen nahezu unberührt von den gesellschaftlichen Veränderungen ihrer Zeit erschien. In einer Welt, die sich verändert, verschiebt sich auch der Blick auf die Fotografien, in denen ein damals noch autonomes Heilssystem in seinen Machtstrukturen festgehalten ist.



Heil und Unheil, Sünde und Erlösung
»Das Heil in seiner theologischen Bedeutung definiert den Kern einer jeden Religion, trifft es doch auf die existentielle Erfahrung des Menschen, der Unheil erfährt. Aus dieser Erfahrung resultiert das Bedürfnis nach Heil im Sinne von Erlösung. Mensch und Gott, Heil und Unheil, Sünde und Erlösung. Um diese simplen polaren Strukturen gruppiert sich in jeder Religion ein sensibles Geflecht mehrerer Faktoren, die zur Erlangung des Heils notwendig sind.
1982 führte der Kunsthistoriker Hugo Borger erstmals den Terminus des sog. ›Kölner Heils‹ in die wissenschaftliche Diskussion um die historische Bedeutung der Stadt Köln ein. Borgers These zielt auf die spezifische religiöse, soziale und ökonomische Entwicklung der Stadt, die seit über eintausend Jahren geprägt ist von dem Anspruch der ›sancta Coloniensis ecclesia‹.
In der Stadtgeschichte lässt sich die These durch eine Vielzahl von Belegen verifizieren. So manifestiert sich der Rang einer heiligen Stadt im kölnischen Stadtsiegel von 1185, das außer dem lateinischen Titel einen der zahlreichen Stadtpatrone zeigt, den heiligen Petrus. Die eindeutige Anspielung auf Rom spiegelt sich noch heute im Patrozinium der gotischen Kathedrale, die gleich dem Petersdom der Gottesmutter und dem ersten Papst geweiht ist. Mit dem goldenen Schrein der Heiligen Drei Könige beherbergt der Dom zudem eine der ranghöchsten Reliquien der Christenheit. Das Erzbistum Köln gilt neben der Erzdiözese Chicago als die reichste und vielleicht mächtigste der Welt.«
Quelle: DAS KÖLNER HEIL Text © Markus und Christoph Schaden, 1997
Monographie
Das Kölner Heil. Fotografien 1986–1996 / Bernd Arnold
Monografie, Christoph und Markus Schaden (Hg.). Bornheim: Schaden Verlag, 1997
Edition
Sakrament und Sünde
Edition, 12 Vintage Silbergelatineabzüge 24x30cm, je sechs Abzüge aus den Serien Das Kölner Heil und Nacht im Milieu, Aufl. 30, num+sig, (davon 12 verloren gegangen), Verlag Constantin Post, Köln, 1993
Neuauflage mit 12 Exemplaren, num+sig, Van der Grinten, Köln, 2005
Bücher zur Fotogeschichte
Augen auf! 100 Jahre Leica
Hans-Michael Koetzle (Hg.), Kehrer Verlag, 2014
Deutschland im Fotobuch
Thomas Wiegand / Manfred Heiting (Hg.), Steidl-Verlag, 2011
Köln und seine Fotobücher
Schäfke / Heuberger (Hg.), Emons Verlag, 2010
Abzüge
Vintage Silbergelatineabzüge auf Baryt,
unterschiedliche Formate 24×30 cm bis 80×120 cm
Ausstellung
Fünf Fotografien aus »Das Kölner Heil« waren Teil der internationalen Ausstellung Augen auf! 100 Jahre Leica Fotografie, die von Hans-Michael Koetzle kuratiert wurde und von 2014 bis 2018 in mehreren europäischen Städten von rund 500.000 Menschen besucht wurde.



